Rallye München-Barcelona-Marrakesch 2018

Prolog:

Heute ist der 17.05.2018, bereits jetzt gebührt es sich in der Vergangenheitsform zu schreiben, denn diesem Datum ging bereits einiges an Planung voraus. Die Existenz dieser Seite verrät schon vieles, der Titel ist im Jahr 2018 kein Click-Bait:

Thomas und Cornelius legen zum 10 jährigen Jubiläum der Rallye noch mal gut 2-3000km oben drauf, unser Heimathafen Barcelona bleibt dieses Jahr nur ein Etappensieg. Endpunkt der Rallye: Marrakech, Marokko. Richtig gelesen. Marokko, das Land aus 1001 Nacht, voller Geröll, Sand, Wüsten und 2018 auch: voller Verrückter in Rallye-Karren. Das es dieses Jahr härter wird, spiegelt auch die neue Rallyeseite wieder: 1000€ Einkaufspreis für den Rallyewagen (wir sind als Veteranen (*Schulterklopf) noch die Standart 500€ gewohnt), detaillierte Infos zu Kühlung, Fahrwerk und Reifen. Es wird kein Zuckerschlecken, aber das war es noch nie…..

Bereits im November 2017 saßen wir an einem Holztisch in Düsseldorf zusammen. Sollen wir es nochmal wagen? Wird uns nicht langweilig? 9 Tage Urlaub, sind es uns die 4 Tage mehr wirklich wert? Fragende Gesichter gab es trotz der verständlichen Fragen eigentlich nicht. Max hatte 2017 Blut geleckt, Marrakesch schien noch eine extra Portion Motivation zu bieten. Ben war beim Lesen der (zugegeben wenigen) Texte und beim Ansehen des oft kritisierten, aber wohl trotzdem zigmal gesehenen Videos wieder ins Schwärmen gekommen, und hatte den Plan gefasst, es 2018, wider aller äußeren Umstande (dazu gleich mehr) möglich zu machen. Oli (der schreibt hier gerade) fährt einfach so mit. Einer muss ja konstant verrückt sein.

Wie oben angekündigt, ein wenig Gesellschafs-Tragik-Komödie: Gerade für Ben als jungen (letztes Jahr noch vernünftigen) Familienvater is es nicht einfach, 9 Tage freizuschaufeln. Wenn beide Elternteile arbeiten, der Facharzt nicht wie in anderen Disziplinen einem in den Schoß fällt und im Jahr 2018 eine Kita-Eingewöhnung den gleichen Zeitraum und Komplexität umfasst  wie die Konstruktion eines Iron-Man-Suits in einer afghanischen Höhle (ich darf das sagen, ich bin Pate und Araber), dann bleibt hier vor allem einer Person etwas zu sagen: Danke Janina. 9 Tage sind am Ende nämlich 14 Tage. Urlaub.

Wo waren wir? Achja, wir fahren also:

Zeitig angemeldet, dritter Fahrer auf Halde (man weiß ja nie, könnte ja sein dass eine gewissen Krankenhausverwaltung kurzerhand die Überstundenregelung kippt *husthust), Wagen sollte umgebaut werden.

Bei einer Stippvisite im elterlichen Osnabrück bietet es sich an, auch mal in das Winterdomizil vom Benz zu gucken. Leider, trotz intensivster Reinigung, auch 2018 wieder nicht-angemeldeter Begleiter: Schimmel. FUCKING Schimmel. Also wieder eine Intensivreiningung, Auto in Sakrotan gebadet, Feuchtigkeitsboxen großzügig verteilt und gehofft.

Versicherungswechsel:

Während die Gedanken also zumindest halb bei den Ascomyceten verweilen, haben wir versucht (faiererweise auch hier eine Anmerkung aus der Redaktion: *hat Oliver versucht – ein anderer hätte das sicher mit deutlich weniger Puls geschafft) unsere Versicherung zu wechseln und den Wagen umzumelden. Obwohl das Motto „Never Change a running System“ sich hier noch durch die Vorbereitung zieht: Die HUK24 schließt Marokko als versichertes Haftplichtland aus, bei unserem Fahrstil ist damit nicht zu spaßen. Bei unserer Recherche fällt uns dann auf: A) Haben wir längst die Frist verpasst unsere Versicherung zu kündigen und B) gibt es kaum Versicherer, die Marokko mitversichern.

An dieser Stelle dann auch ein ganz großes Danke an die HUK24, die uns nach einer erklärenden Mail vollkommen problemlos aus unserem Vertrag gelassen haben. Der Wechsel zur Allianz ging problemlos online, Fahrzeug anmelden, fertig. Denkste. Der Endgegner in diesem Spiel heißt „Zulassungsstelle Düsseldorf“:

Wagen sollte ZUM 01.05.2018 zugelassen werden. Steht zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit dem Endgegner auf einem Privatgelände. Ist bereits über die Ruheversicherung der Allianz gedeckt. Da man als normal lebender (und auch arbeitender) Mensch die Öffnungszeiten der Zulassungsstelle nicht einhalten kann (an Altweibern hat man natürlich als öffentliche, steuerfinanzierte Behörde zu….) und der Online-Terminvergabe-Kalendar (damit könnte man sich ja mal einen Termin nach einen herrlichen 24h Dienst legen) ungefähr so viele freie Slot hat wie ein Biergarten im Sommer (hierzu sei noch etwas gesagt, ist ja auch steuerfinanziert der Bums, da kann man auch mal meckern: a) mit dem Handy nicht zu gebrauchen, das nutzen nun mal 80% aller die nicht vor 1950 geboren wurden. b) „Freie Termine“ ist eigentlich falsch, denn man kann nur 2 Wochen in die Zukunft planen, generell ist NIE etwas frei und wenn dann vielleicht mal ein Termin. Die Chancen im Lotto zu gewinnen sind gleich hoch wie einen Wunschtermin in der Zulassungsstelle Düsseldorf zu bekommen.).

Also mussten wir auf einen „Service-Zulassen“ ausweichen. ADAC, dein gelber Engel, Freund und Helfer, geprügelt von der Krise, kümmert sich da um seine Kunden: Umschlag gekauft, Nummer gezogen, Unterlagen eingesteckt, gewartet, zum Schalter (hier folgt ein Originalgespräch):

Ich: Hallo, ich habe diesen Umschlag für den Zulassungsservice als ADAC-Premium Mitglied erworben, hinten konnte man mein Anliegen in den Standartfeldern nicht ganz spezifizieren….

Angestellter (unterbricht mich): Kann ich nichts zu sagen, ich kanns nur annehmen..

Ich: Ä Ok. Aber Sie machen das doch tgl. Ich würde nämlich nur gerne Versicherung und Zeitraum des Kennzeichens ändern, das kann man so aber hier nirgends ankreuzen..

Angestellter: Kann ich wie gesagt nix zu sagen, wir melden uns binnen 24h

Wow. Ok. Naja – es hat schon einmal geklappt, wird schon hinhauen. Da nach 72h kein Anruf kam, haben wir (ich) dann selber die Initiative ergriffen. Darauf sagte uns dann die Dame des „Drittanbieterzulassungsservice“ (wohl gemerkt nicht der ADAC, welche Rolle der überhaupt da spielt ist uns schleierhaft), das würde so alles nicht gehen, man hätte die Zulassung abgelehnt. Bei Fragen müsse ich mich eh direkt an die Zulassungsstelle wenden.

Aha, wo genau der „Service“ im ZulassungsSERVICE ist, bleibt auch ein Mysterium, aber na klar, man verbringt die Zeit zwischen den Stationen und OPs eh viel lieber am Telefon als mal ein Schluck Wasser zu trinken. Telefon also in der Hand, nach EWIGER Wartezeit eine UNGLAUBLICH genervte Mitarbeiterin:

„Herr Kanaan, also sie müssen die Unterlagen auch lesen. Ihre Zulassung geht ab dem 01.05 und wir haben nicht den 01.05. Wir haben Mitte Februar“

Ich (etwas verwirrt vom harschen Ton): Ja gut, deswegen ist das Saisonkennzeichen auch erst ab dem 01.05 ausgestellt…

Sie: Oh Ah. Gut das habe ich übersehen. Mist. Dann melde ich mich nochmal.

Aufgelegt. Der geneigte Leser merkt, hier stimmt was nicht. Wer in Düsseldorf aber schonmal ein Auto zum TÜV gebracht hat oder zugelassen hat, gewöhnt sich automatisch eine stoische Ruhe an, von daher waren wir im Team Sabotage zu dem Zeitpunkt noch ruhiger Dinge. Vorsichtshalber (man weiß ja wie das läuft) wurde aber in einer freien Minute spät Abends die Zulassungsverordnung gelesen. Ja – das eigentliche Gesetzt. Ja es ist langweilig. Zusammengefasst: Es gibt keinen deifizierten Zeitraum, der besagt, wenn man ein Fahrzeug zulassen kann, vor der eigentlichen Inbetriebnahme. Sprich im Februar zulassen für ein Saisonkennzeichen im Mai.

Nach weiteren 72h (offensichtlich ein Zeitpensum das man braucht um sowas zu klären) der erwartete Anruf:

Sie (immer noch oder wieder genervt): Das geht so nicht, ich habe das mit meinem Chef geklärt, geht erst ab dem 01.05.2018

Auf meinen Hinweis, dass man dann ein 3 Tages-Kennzeichen für einen Montag auch am Freitag kriegen würde und ich dieses bereits MEHRFACH so in Düsseldorf bekommen hätte wurde viel im Hintergrund gewühlt und schlussendlich wurde mir gesagt Sie (O-Ton): Egal was in Ihrem Gesetzt steht, hier wird das so gehandhabt.

Um nicht in einen Epos aus Wut und Unverständnis zu verfallen (das hier ist ja auch keine Geschichte für Versicherungsvertreter): am Ende hat uns die Allianz eine unbefristete Zulassung bescheinigt (Ohne Datum, denen war es egal, man hat verstanden dass man ein Fahrzeug mit Saisonkennzeichen vorher nicht bewegen kann) gegen die die Zulassungsstelle nichts mehr sagen konnte.

Prä-Rallye-Umbau-Planung:

Wagen war also zugelassen, der 01.05.2018 stand vor der Tür und wir mussten uns gedanklich mit einigen Baustellen beschäftigen. Vorrangig ging es um die Themen:

  • Fahrwerk/Reifen
  • Kühlung
  • Strom
  • Allgemeine Wartung/Upgrades

Trotz hitziger Diskussionen im Team stand schnell fest: Stahlflexleitungen wären bei unserem Fahrstil sinnvoll, neue Reifen nach den vergangenen Strapazen wahrscheinlich auch (*Anmerkung aus der Redaktion: Obwohl wir noch keinen Reifenschaden hatten und es deshalb im Team Widerstand gab).

Fahrwerk:

Seit nun mehr 2014 versuche Ich (Oliver) dem Auto auch Optisch noch etwas mehr Rallye Look zu verleihen, leider gegen den Widerstand des anderen „ständigen“ Teammitglieds. Unter dem Motto: Never change a running System wurde einseitig entschieden, dass unser Granat-Ölwannen-Schutz das richten wird.

Kühlung:

War im W124 nie ein Problem, aber die vergangenen Fahre im Fahrwerfeld haben gezeigt: Es gibt hauptsächlich drei Probleme: Geplatzte Kühler, kaputte Fahrwerke und kaputte Reifen. Die ein oder andere Kupplung hat sich zwar auch schon verabschiedet und kapitale Motorschäden haben wir auch schon miterleben dürfen, aber der Kühler steht ganz oben in der Statistik.

Zum Zeitpunkt dieses Textes (Mitte Mai) steht die Entscheidung noch nicht. Soviel ist klar: Ein Upgrade Ladeluftküher ist nur mit erheblichen Schweißarbeiten am Vorderwagen zu bewerkstelligen. Wir lassen unseren 29 Jahre alten Kühler nun testen, dann schauen wir weiter…

Strom:

Hier zeigt sich: Halbwissen ist gar kein Wissen. 2017 ist uns aufgefallen, das unserer Peripherie doch sehr schleppend Strom läd. iPad, zwei Handys, Drohne, Kühlbox: Alles will irgendwie versorgt werden. Grandiose Gemeinschaftsidee im Team: Wohnwagenversorgerbatterie einbauen, dann läuft das wie ein Atomkraftwerk. Beim Besprechen ist dann allen fast gleichzeitig aufgefallen, dass keiner Ahnung hat wie „Strom“ eigentlich in einem Auto so richtig funktioniert (Klar Lichtmaschine und so, aber Volt und Ampere und Verbrauer – alles nicht so einfach). So saß man also bei 3-5 Bier zusammen und fand sich auf diversen Foren und auch sehr grundsätzlichen Wikipediaeinträgen wieder.

Es war klar: Bevor wir wild Material bestellen, sollten wir jemanden Fragen der davon Ahnung hat. Gesagt getan, Lebensweisheit gelernt: Es ist a) nichts so wie wir uns das Gedacht haben und b) komplett anders.

Nach einer sehr grundsätzlichen Einführung in das Thema: Wie läd überhaupt ein Telefon über USB (5V, nur so nebenbei), Ladezyklen und Ampere wurde uns klar:

Das vorhandene Material aus Batterie und Lichtmaschine reicht, wenn man es gescheit nutzt. Unser bisheriger Fehler: Schlechte Adapter, wenig Watt bzw. Ampere. Fehler erkannt, Fehler mit Amazon Prime behoben 😉

Allgemeine Wartung:

Wie immer und vor jeder Rallye gibts rundum neue Flüssigkeiten: Motoröl, Kühlflüssigkeit, Bremsflüssigkeit, Getriebeöl. Gehört dazu, sind ja nun nicht 10.000km deutsche Autobahn.

Technikumbau Teil 1: 

Als aller erstes stand im Vordergrund einige Dinge zu verbessern, die uns bereits 2017 gestört haben. Man könnte es erweiterte Wartung nennen.

Punkt 1: Elektrischen Außenspiegel reparieren, mehr ein Projekt um „reinzukommen“.

Punkt 2: Lautsprecherabdeckung vorne raus, die waren verstaubt und verschimmelt.

Punkt 3: So langsam wird es spannend. Bei den Nachfahrten 2017 ist uns aufgefallen, das unser Schalter für die HELLA-Scheinwerfer zwar gut aussieht, aber funktional nicht am richtigen Ort sitzt. Zudem hatten wir den Verdacht, dass auch unserer Ziggi-Anzünder „einen weg hat“. Also auch den Austauschen und mit dem Umbau der Mittelkonsole beginnen. Dabei ist uns aufgefallen: Mittelkonsole und Auto sind Matching-Numbers, das macht beim Fahren direkt ein wertiges Gefühl 😉

Punkt 4: Butter bei de Fische:

Teile bestellen, Mittelkonsole raus, Spannungsprüfer in die Hand, Fräse im Anschlag. Da Schrauben ja auch immer Spaß macht, haben wir uns Zeit genommen. Der Kippschalter war relativ schnell nach hinten verlegt und mit dem richtigen Equipment auch schnell neu verkabelt. Da wir (in Angst um unsere LiMa) unsere Spannung immer im Blick haben wollten, zog an seinen (vorderen) Platz eine digitale Voltanzeige. Für die Versorgung unseres „iPad-Navis“ kam dann noch ein fest verbauter USB-Anschluss rein. Am Ende viel bohren und fluchen.

In der Garage haben wir dann unseren kleinen „Kindersarg“ wiedergefunden. Allein schon weils zum Rentner-style gehört zieht der wieder in den Wagen ein. Zweiter Vorteil: Die Technik bleibt zumindest oberflächlich vom Staub geschützt.

Jetzt müssen also nur noch die Kabel gezogen werden damit alles auch sicher läuft, den Teil nehmen wir aber sinnvollerweise erst in Angriff wenn wir unsere neue digitale Hupe verbauen (kleine Vorankündigung)….

Hardwareumbau Teil 1:

Da wir noch auf die letzten technische Teile warten und es keinen Sinn macht, den Innenraum mehrfach zu zerlegen und zusammenzusetzen, gehen wir kleine Dinge auch außen an. 2017 haben wir irgendwo in den Pyrenäen bei 2500m unsere Bremsbeläge vorne gewechselt und dabei eine Radschraube eingebüßt, da diese in der Fassung steckend abgebrochen ist (man könnte auch sagen: gewichtsoptimiertes Tuning). Da wir das nicht nochmal machen wollen (mit 3 Radschrauben fährt es sich doch mulmig) und auf einem Pass die Windung nicht ausgebohrt werden kann, sorgen wir auch hier eher vor:

In weiser Voraussicht und weil es einfach auch mehr nach Rallye aussieht ist dann unser Werkzeug in eine Alu-Box aufs Dach gezogen. Da bei unserem Fahrstil schon Insassen und Gerstensaft ordentlich durchgeschüttelt werden haben wir uns für eine relativ schalldichte Isolierung entschieden.

Wir könne nicht viel, aber gut aussehen – das können wir 😉

Prolog Teil 2:

Ich greife hier mal ein wenig auf den Mittelteil unserer Einleitung zurück. Die Frage aller Fragen war: Sind es dieses Jahr „die Drei von der Tankstelle“ oder bestreiten Max und Oliver (der hier tippt) die Mamutfahrt (siehe grobe Reiseroute unter diesem Teil) alleine. Die Krankenhausverwaltung hat auf Druck der Gewerkschaft (hier nochmal ein nicht ernst gemeintes Danke von mir) die Überstundenregelung an Bens Krankenhaus gekippt (schön wenn man nach Jahren merkt, dass man seit Jahren illegal Gelder zurück hält und dann seine Angestellten nicht in den Prozess der Vergütung mit einbezieht). Es standen also alle Zeichen gegen die Rallye: Eingewöhnungsphase die man nicht abschätzen kann, keine Überstundentage (die man sich mühsam monatelang durch Dienste erarbeitete hatte), Urlaub des Partners, Facharztlernerei, Familienfeier, die Mond-Mars-Konstellation und sonst noch jedes andere erdenkliche Hindernis. Aber wir wären nicht Team Sabotage, wenn wir nicht am Ende doch irgendwie lachen würden. Wie 2017 schon fragten wir den „immer-bereiten“ Köhler, den geheimen Gadget-Held, der meine Sammlung an sinnbefreiten Videowerkzeugen winzig erscheinen lässt, wie es denn 2018 so mit einer 5000km Spaß-Reise aussehen würde. Und das Universum zog wie schon 2018 seinen dicken Edding aus der Tasche und strich diese Option gänzlich. Da keiner so ganz genau weiß was Michael eigentlich macht, fehlt hier so ein wenig die Erklärung. Irgendwas mit Fernsehen, irgendwas mit Produktion.

Max und Ich haben uns schon schwitzend in der Wüste von Marokko mit Redbull bewaffnet gesehen, den Rückweg vor Augen. Dann, nach tagelangem hin und her die erleichternde Nachricht: Mit viel Planung, einigen Einbußen, viel Aufopferung (danke Janni!!!) und ein wenig Glück fahren wir 2018 zumindest als „Two and a Half Man“:

Max und Oli durchgehend, Ben ab Barcelona.

Route-geplant-geschätzt

Hardwareumbau Teil 2:

Wir wollen uns nicht mit fremden Lorbeeren schmücken, deswegen Ehre wem Ehre gebührt: Die Hardware-Wartung haben wir aufgrund fehlender Zeit und auch fehlender KFZ-Kenntnis an Hagen abgegeben. Er war 2017 dabei, weiß also was auf das Fahrzeug zukommt. Er kennt das Fahrzeug von der „Zwischenwartung 2017“ und schraubt auch sonst professionell an Autos. Innerhalb weniger Wochen wurden so aus „keinem Auspuff“ ein „Rallye Auspuff“, es zogen Stahlflexbremsleitungen unten den Wagen ein, neue Reifen wurden aufgezogen, alle (!!!) Flüssigkeiten gewechselt und zu guter letzt wurde unser Kühlsystem mer Rallye angepasst. Da wir bereits mit einer Magnetkupplung (fürs Lüfterrad) ausgestattet waren und der winzige Kühler nach Prüfung noch gut in Schuss war, entschlossen wir uns mit neuem Schalter und verlegter Elektronik (Oliver freut es, ein Kippschalter mehr im Innenraum) den Lüfter manuell zuschalten zu lassen. Auf langen Wüstenschalchten und Bergetappen sicherlich sinnvoll.

Und da wir inzwischen auch meinen das mit der Elektrik verstanden zu haben: Eine neue 90A Lichtmaschine. Wir waren eigentlich startklar, wäre da nicht noch die anzuschließende Technik….

Hardwareumbau Teil 2,5 – kurze Wartung:

Da ich (Oliver) den Wagen nun vor der Rallye im Alltag teste, musste ja etwas ausfallen. Unser (DTM-Sytle) Einarmwischer hat am einzigen Regentag im Hochsommer den Geistaufgegeben. Selbst ist der Mann, rein raus mit „So wird’s gemacht“ in  1 1/2h (jajaja, der geübte schrauber macht sowas in 30min, der flucht aber auch nicht so viel wie ich und hört wahrscheinlich dabei auch nicht laut Boys Noize)

Technikumbau Teil 2:

Eigentlich war nicht mehr viel zu tun. Eigentlich hätte man das in 2h schaffen können. Da im Team Sabotage aber 6 linke Elektrohände arbeiten, hat es wieder mal einen halben Tag gedauert. Bei allem was Verkabelung, Volt und Ampere angeht, Durchmessen, Kriechstrom, Widerstand – naja, also eigentlich bei allem was in den Bereich fällt geben wir auf. Ohne Unterstützung hätten wir es nicht geschafft. Dafür haben wir nun eine „guten“ USB Ladestrom, eine permanente Voltanzeige (die beim Schreiben des Textes einen Tag später schon kaputt war) und eine für alle anderen sehr nervige neue Hupe (die noch vieles mehr kann). Natürlich wir haben uns auch vorbildlich daran gemacht, alles an Kabeln mal zu beschriften…..

Unser Highlight der ganzen Aktion:

Ein kleiner Teaser sei erlaubt auf die letzte „Veränderung“

To be continued…..

So stehen wir da, die Rallye kann kommen:

Let the fun begin – die eigentliche Rallye:

Tag 0 #Tageszielmünchen

Unrund wäre das falsche Wort, aber so ganz wollten es nicht rund laufen. Den Wein vom Freitag Abend noch im Kopf ging es nach schier ewigem Packen dann deutlich später als geplant los. Auf der Fahrt kam uns dann die GRANDIOSE Idee, das Benzin in unserem Reserve-Kanister mal auszutauschen. Stammt ja auch 2014, ist quasi gut gereift im Stahlkanister. Vorher war uns nicht bewusst, dass wir dafür ca. 30min die Hälfte unserer Dachkonstruktion abbauen müssen. Aber wenn man einmal angefangen hat hört man ja nicht auf. Besser wäre es gewesen, vernünftig wieder zusammenzupacken. Dann hätten wir nicht nach erfolgreichem Tanken zweimal halten müssen um a) die Werkzeugbox zu verschließen und b) die loose umherfliegenden Seilenden wieder am Auto zu befestigen.

Wie gesagt, rund ist anders. Wäre aber auch langweilig. So sind wird wir Staufrei nach 7-8h gerade noch pünktlich zur Anmeldung aufgeschlagen. Morgen dann 5:00 Wecker. Weil 6:00 Treffen. Warum genau wir uns am ersten Tag schon wieder sowas antuen wissen wir nicht. Interessiert Thomas und Cornelius aber nicht……

Tag 1 #TageszielVercelli Fahrzeit 12,5h

5 Uhr Wecker. Schlimmer als im Beruf. 7 Uhr Briefing. Wir haben Uhrzeitbedingt nicht allzuviel mitbekommen. Zugegeben haben wir bis 12 Uhr nicht ganz so viel mitbekommen, sind einfach Gefahren. Wir sind von München Richtung Süden gen Österreich, dann über Lichtenstein in unsere geheime zweite Heimat die Schweiz. Dort über den Sustenpass und den Grimselpass Richtung Italien. Kaum hatten wir Deutschland hinter uns gelassen, haben wir auch Regen gegen Sonne getauscht.

Eigentlich lief alles Reibungslos, eigentlich: Da wir relativ lange gebracht haben um überhaupt gesellschaftsfähig wach zu werden, haben wir auch bis 15 Uhr gebraucht um gescheit zu Essen. Was kurz vor einem Tobsuchtsanfall beider Fahrer war (hier nochmal um das zu verstehen: Seit 5 Uhr wach!!!).

Irgendwo hinter Rapperswil (immer noch bester Name für eine Stadt) hat es leider #TeamMSCBräunlingen die Bremsleitung am Jeep Grand Cherokee (1000€ hust hust) (Fahrzeuggewicht mit Beladung Sicherheit 2,5T) disconeetiert (schreibt man das so?). Weder berghoch noch bergrunter etwas was man tolerieren kann.

Von diesem Vorfall (wir konnten nicht wirklich Helfen) wohl noch etwas „mitgenommen“ hat Max aka Ken Block ohne die Skills sich gedacht, dass man sich so einen Bordstein auch mal mit der gesamten Fahrzeuglänge ganz genau angucken kann. Dahin waren die mühsame, stundenlange Reifenbeklebung 🙁

Irgendwann in Italien ist uns dann auch die Tachobeleuchtung abhanden gekommen. Nun haben wir immerhin einen Grund „nach Gefühl zu fahren“.

Alles in allem also nichts wildes für 12 1/2 Stunden Passjagt. In Vercelli angekommen haben wir die verbleibenden Buchstaben genutzt um wenigstens einen Reifen wieder halbwegs gerade zu beschriften.

Jetzt gehts Essen, dann schlafen. Morgen 8:30 Briefing, aber leider 1,5h Anreise. „Urlaub“…….

Tag 2 #TageszielGuillaumes Fahrzeit 11h

Tag 2 hätte eigentlich nicht besser Anfangen können. Wenn man um 7 Uhr morgens in einer Kleinstadt an einer Tankstelle einen perfekten Cappuccino aus einer Rocket-Espresso-Maschine bekommt und dazu frische Bombolone de la Creme gereicht werden, hat man fast das Gefühl, man wäre im Urlaub.

Wenn da nicht noch 1h Fahrt bis zum Briefing wäre. Leider: Autobahn. In Turin angekommen wollten wir eigentlich die ersten Drohenaufnahmen machen, leider hatte zu dem Zeitpunkt sich das Gimbal noch gegen uns entschieden. Wahrscheinlich zu früh morgens. 

Die morgendliche Ansprache machte klar: Alles kann man nicht fahren, aber es wird ein Tag voller Highlight. 

Von Turin ging es dann Richtig Süden ziemlich zügig direkt in den Colle delle Finestre – eine schnelle Kat III, damit waren wir dann auch wieder voll im Rallyefieber. Die Pistenkammstraße führte direkt zum Solle d’Assiette – auch hier entlohnte der Blick nach rechts und links für jegliche Strapazen. 

Von Briancon ging es dann über eine noch etwas zügigere Kat II nach Jausiers. Eine bittere Entscheidung wurde uns durch die Zeit abgenommen: Den Col de Parpaillon mussten wir umfahren. Nach drei erfolgreichen Begegnungen in den letzten Jahren wussten wir: Kat V heißt hier Kat V. 

Uns zog es nach einem guten Mittagessen (was auch ein verspätetes Frühstück war) aus der pitoresquen französischen Kleinstadt wieder ins Gebirge: Col de la Bonette. 

Im Nachhinein haben wir hier direkt mehrere Anfängerfehler gemacht:

1) Wir wären wahrscheinlich auch alleine gefahren, haben aber am Anfang direkt 4 andere Autos gefunden die sich uns angeschlossen haben. Aber alleine ohne Handyempfang hätte alles noch länger gedauert.

2) Die Dämmerung war sichtbar. Was jedes Fotografenherz höher schlagen lässt (goldene Stunde und so), bricht dir im Zweifel nicht nur Genick sondern auch die Achse oder Ölwanne. Ohne Sicht wird aus einer Kat V eine Kat VII – was nicht mehr ganz so viel Spaß macht. Neben unzähligen Einschlägen gegen unseren Ölwannen-Panzerschutz und unseren Unterboden hat ein doch ziemlich großer und ungewöhnlich spitzer Stein die Karriere unseres rechten Vorderreifens zumindest verkürzt. Aktuell sieht es so aus als wäre nur das Ventil herausgeflogen (was unglaublich glücklich wäre), aber der Knall und das darauffolgende Pfffffffffff gehen erstmal durch Mark und Bein. Doch auch hier zeigt sich: Teamgeist ist Regel Nummer 1! Alle haben angehalten (gut überholen geht auch einer einspurigen Kat V nicht) – alle haben geholfen. Reifenwechsel auf gut 2715m in 25min inkl. Reifen aus Kofferraum und Reifen von Dach. Dieses „Service auf großer Höhe“ entwickelt sich langsam zu einem roten Faden beim uns ;). Ohne die anderen Teams hätten wir wohl länger gebraucht (einer muss ja immer auch Fotos machen 😉 )

Naja – die Abfahrt hatte neben spektakulären Bildern noch einige Einschläge gegen das Bodenblech zu bieten.

Zur dann wieder Kat III-igen Abfahrt nach Guillaumes haben wir dann nochmal alle Halteseile von Board geworfen und den Benz fliegen lassen. Was natürlich mit glühenden Bremsen endete. Aber: Is ja ne Rallye, keine Kaffeefahrt. 

Morgen angeblich Strand, was alle beteiligten (Fahrer wie Autos) gut gebrauchen können. Ürigens: Jetzt wo wir einen Reifen weniger haben (zumindest temporär) funktioniert auch unsere Tachobeleuchtung wieder. Es fällt offensichtlich immer nur ein Teil am Eisenschwein aus. 

Zum Abschluss sei hier noch einmal erwähnt, dass ein gewisser Herr B. Chahem (oder lieber Ben C.? Das sollte redaktionell noch geprüft werden) VOR der Rallye sagte: Reifen nehmen wir die Alten, Ersatzreifen brauchen wir nicht.

Col de la Bonette 1 – Ben Chahem 0

Tag 3 #TageszielMontpellier Fahrzeit 9h

Nach doch relativ viel erholsamem Schlaf (immerhin 5h) beginnt der Tag wie eben ein Tag in einer französisches Berg-Kleinstadt beginnt: Mit Croissants aus der Boulangerie und strahlendem Sonnenschein. Nach dem obligatorischen „hat jemand eine Feder für Modell xxx und einen Kühler für Modell yyy“ ist klar: heute kommen wir dem Wort „Urlaub“ so nahe wie wahrscheinlich nie wieder auf der Rallye. Ein kurzer Blick in die Tagesplanung reicht: Wir entscheiden uns für Option 2, den Großes de Verdon. Zum dritten Mal mit gutem Grund, die D23 bis zum Lac de Santa-Croix ist einfach zu schön um sie nicht immer wieder zu fahren. Nach der fliegenden Abfahrt haben wir die Badehosen ausgepackt und die Seele baumeln lassen. Immerhin hatten wir vorher schon Rallye-Team-Stuttgart mit Metallknete ausgeholfen, um den Multipla wieder fit zu kriegen (den Sie eine Böschung hochgefahren haben, die man nicht so zwingend hochfahren musste. Um nicht zu sagen: Die man gar nicht hochfahren musste – aber wir urteilen nicht, die Jungs haben uns 2016 den Arsch gerettet als wir auch einen Stein aufgeschlagen sind auf den man nicht hätte aufschlagen müssen).

Nach den ganzen Strapazen von gestern konnten wir uns zwar nur schwer vom kühlen See lösen, aber Montpellier als Zielort brachte die nötige Motivation mit sich. Die Streckenführung (wiedermal EWIG) führte zum Glück durch zahlreiche malerische kleine französische Dörfer, so dass der Weg zum Ziel wurde.

In Montpellier angekommen gab es (trotz Dienstag) den ein oder anderen Gin und das ein oder andere Bier in der pulsierenden Altstadt. Studenten scheinen keine Wochentage zu kennen, auch das gehört zum Urlaubsfeeling dazu.

(Anmerkung der Redaktion: Urlaub ist an Tag 4 sicher vorbei 😉 )

Tag 4 #TageszielBarcelona Fahrzeit 10h

Ziel heute ist: Aus Zwei mach Drei. Alternative Arbeitstitel für diesen Anfang: die Drei von der Tankstelle (alleine schon wegen dem automotiven Bezug) oder aller guten Dinge sind Drei.

Am besten Starten wir am Lac de Salagou im Herzen des Languedoc. Morgensbriefing in herrlicher Kulisse. Dann (ehrlicherweise leider) ein 2 1/2 Stundenkampf durchs französische Hinterland bis zum Fuße der Pyrenäen. Über den Parts de Molly la Preste (Schnelle Kat II) haben wir uns mit den anderen Teams ins Gebirge geschraubt – das katalanische Hinterland immer als Ziel im Kopf. Zwischen uns und der Strandmetropole lag aber noch eine schier unendliche Anzahl an harten, unwegsamen und dann wieder schnellen und rutschigen Kat II-IV. Kurzum: Das wofür wir eigentlich hier sind. Nachdem wir die Wolkengrenze passiert hatten folgten auf der Abfahrt ein Einschlag nach dem anderen. Wie genau der Benz das macht wissen wir nicht, aber er fährt. Einziges Opfer (neben Bandscheiben und den immer noch unerklärlichen Blutflecken im Innenraum): Unser Wischwasserbehälter. Wird morgen wieder verklebt, Zweikomponentenkleber und unserem angereisten Rallyemitglied Numero Tres sei Dank.

Tag 5 #TageszielAlbaracin Fahrtzeit 12h

Die Nacht war kurz, die Augenringe sind Zeugen von mehr als einem Cocktail. So kommen wir auch leicht zu spät zum Briefing. Soweit wir es verstanden haben: Keine Ausfälle, heute aber dafür ausschließlich Kat III + IV. Nachdem wir mehr als professionell unseren Wischwasserbehälter geflickt haben ging es durch Barcelonas unermüdlichen Rush-Hour-Verkehr zur ersten Zielkoordinate. 2016 sind wir hier fast gescheitert nachdem wir uns 3h verfahren hatten. Auch verkatert, auch 30 Grad. Die Vorraussetzungen waren also nicht optimal. Andere wären hier sicher umgedreht, wir stürzen uns dafür ins Abendteuer. Es gibt auch Teams bzw. Teammitgliedern, den geht es noch schlechter: Unser Begleitfahrzeug für den heutigen Tag (schöner grüner Rallye-Golf-2) beherbergt heute eine Alkoholleiche. Der Beifahrer scheint dem Charm der katalanischen Metropole erlegen zu sein (was wir absolut nachvollziehen können) und ist wörtlich in seine Partyoutfit ins Auto gestiegen. Bei erwähnten 30 Grad in Jeans, ohne Schlaf. Wir wissen nicht wie, aber er hat es geschafft bei der doch extrem sportlichen Fahrweise seines Teamkollegen ca. 8h im Auto zu schlafen.

Und wenn wir sportlich sagen, dann meinen wir: Vollgas, 2m hinter uns.

In den Wüsten Spaniens sicher die einzige Möglichkeit in Kolonne schnell zu fahren, da der Staub einem sonst eine undurchschaubare braune Wand vorschiebt. Aber eben auch nicht ungefährlich. Mehr als einmal hätte es bei einer leichten Bremsung unsererseits fast geknallt. Am Ende hatten wir uns an das verzögerte Geräusch von rutschenden Reifen nach unserer Bremsung gewöhnt.

Aber Irgendwann muss es auch mal Schiefgehen: Auf einer schnellen Geraden scheinen wir die Ersten zu sein, die einen elektrischen Zaun passieren. Die dünne schwarze Linie ist bei tierstehender Sonne erst spät zu sehen, die Geschwindigkeit dürfte als „überhöht“ einzustufen sein. Als wir die Klavierseite auf uns zukommen rasen haben sehen, gab es zwei Reflex:

  1. Bremsen
  2. Kopf runter

Da beides beim Golf noch später einsetze, folgte was folgen musste: Kalrverformung. Alles halb so wild, bei näherer Betrachtung des „Zauns“ könnte es sich auch um ein elektrisches Tor gehandelt haben. Am Ende unserer Passage gab es auf jeden Fall zwei Teile.  Die anschließende Fahrt wurde nur für einen erneuten Reifenwechsel unterbrochen („irgendwie rappelt der komisch“ “ ne das sind andere Steine die einschlagen“ – 5min später „ich guck mal ausm Fenster ob alles gut is“) – zum Glück hatten wir den letzten defekten mit Ventil neu aufziehen lassen. Die Fahrt ins gemütliche Bergdorf Albaracin verläuft ereignislos, nach dem Checkin und einem kurzen Abendessen fallen wir wie Zombies ins Bett. Der Körper holt sich doch alles wieder.

Tag 6 #TageszielAlicante Fahrzeit 9,5h

Die Strecke gestern hat doch mehr Spuren hinterlassen als wir uns wünschen. Bei eingelegter Fahrstufe im Stand wackelt der Wagen so sehr, dass jede moderne Massagestufe vor Neid erblassen würde. Zudem blasen wir hinten Ruß wie ein Diesel heraus. Auch unser (eigens dafür mitreisende 😉 ) Chefmechaniker Hagen weiß erstmal nicht weiter, erklärt uns aber dass „wir daran nicht scheitern“. Hmmm Aha. Da „nebenbefindlich“ auch noch unserer Kühlwasserzusatzpumpe zu lecken scheint, entscheiden wir uns mit Team Hagen + Matthes (unser Chefmechaniker hat quasi seinen eigenen Chauffeur) eine spanischen ATU anzufahren. Auf der eher entspannten Fahrt bemerkt unser Chefmechniker dann, dass der gestern montierte Reifen doch Luft verliert. Der Plan einen Reifen auszutauschen wird also erweitert, am Ende stehen auf der erfreulich niedrigen Rechnung zwei neue Pneus. Die Wasserpumpe ist so nicht zu besorgen wenn man dafür nicht eine Niere verkaufen möchte (Danke an Mercedes Spanien, 400€ für ein sonst ca. 120€ teures Teil). Wir fahren also „nur“ mit neuen Schlappen auf die erste Strecke. Von Villen nach Valencia kommt man sicher auch einfacherer, aber mehr Spaß geht nicht. Kat III, Schotter-Strecke, Vollgas. Die Einschläge häufen sich, trotzdem allseits Lachen auf den Gesichtern. Wir fliegen über die Strecke, gehalten wird eigentlich nur für Fahrerwechsel und für unsere MediaCrew. Kurz vorm Einstieg in Part II des zweiten Streckenabschnitts treffen wir die anderen Teams mit aufgebocktem Fahrzeug. Diagnose: Zu Tief durch den Schlamm gefahren, Lichtmaschine zu. Aber bereits repariert. Wir nutzen den Stopp um auch unseren W124 aufzubocken, irgendwo müssen die inzwischen deutlich hörbaren Schleifgeräusche herkommen. Die zuerst vermutete Quertraverse der Getriebehalterung ist es nicht, alle Schrauben sind fest bzw. nach fest auch ab. Wir finden uns also mit dem Geräusch ab und preschen mit 100km/h in die nächste Kat III. Hier fällt uns auf: Schnell ist das neue Langsam. Ab einer gewissen Geschwindigkeit überwinden wir die Federträgheit des Eisenschweins, so kann man jede Bodenwelle quasi ohne aufsetzen meisten. So fühlt es sich zumindest an, die geringe Anzahl an markerschütternden Einschlägen spricht für unsere Theorie. Valencia war bei dem Tempo schneller erreicht als gedacht, so dass wir unser Glück mit unserer „Bomba de agua refrigerante“ noch bei einem Teilehändler und einem Schrotti versucht haben. Vergebens. Angeblich ist das Teil auch nicht so wichtig. Wir erinnern uns an 2017, da waren Radmuttern „auch nur eine Erfindung der Industrie um Geld zu machen“.

Team H+M fällt bei einem unserer Stopps auf, dass der Schlauch zum Turbo gerissen ist (Luxusprobleme aus unserer Sicht). Daher preschen die Jungs, die uns heute mehr als geholfen haben, direkt nach Alicante, um das Teil zu besorgen.

Wir sparen uns die letzte Piste und legen eine Stopp am Strand ein. Tut wie immer Mensch und Maschine gut. Dann direkt über die AB nach Alicante, schauen was der Abend für uns in petto hält.

Tag 7 #TageszielAlmedia 

Wir wollten es Langsam angehen lassen. Ziel ist die Fähre, das eigentliche Zwischenziel dieser Rallye ist  Afrika. Doch ganz lassen konnten wir es nicht.

Nachdem nun ein Fahrzeug komplett ausgeschieden ist (wenn man Einzelteile eines Getriebes aus der Wüste aufsammelt ist das allgemein eher ein schlechtes Omen) wurden zur Frühbesprechung wieder in Summe komplette Fahrzeuge gesucht: Federbeine, Ölwannen, Muffen, Schellen, Schutzmuttern etc. 

Der erste Sprint über die Autobahn führt uns nach Lorca, hier genehmigen wir uns ein kleines verspätetes Frühstück, dann tippen wir die ersten Koordinaten ein. Die Köpfe sind klarer, der Rallyemodus wieder aktiv. Die Kat III geht hoch doch relativ zügig und gut, so dass wir uns oben für einen Fahrerwechsel entscheiden. Kat II hoch heißt nicht immer Kat III runter. Hier war es langstrecken eine Kat. IV, das wusste der Fahrer nicht immer. Einschlag auf Einschlag steckte das Eisenschwein stoisch weg. Dazu kam etwas Übermut bei der Geschwindigkeit so dass man in einer doch eher scharfen Linkskurve dem (zugegeben unerwartet steilen Abgrund) doch sehr nahe kam. Ein unschönes Gefühl mit eingeschlagen Reifen und Ausbrechendem Heck auf einen 200m Abhang zuzurasen. Es herrschte erstmal ein wenig Stille, einer der Momente in der man sich bewusst wird, dass man hier mit allen Sinnen fahren MUSS. Der weitere Weg nach unten gestaltete sich dann erst vorsichtig, um nach einer „angebrachten“ Zeit wieder mit Bleißuß einzusteigen. Im Zieldorf angekommen erneuter Fahrerwechsel. Quer durchs Dorf rollen wir in das ausgetrocknete Flussbett. Der Untergrund scheint viele wie auch uns unerwartet zu treffen: Sand und Geröll. Durch einen groben Navigationsfehler verpassen wir eine „Ausfahrt“ (sofern man das überhaupt für einen Fluss sagen kann) und graben uns ein. Nur mit Hilfe von Team 90 Seconds (Hagen und Matthes) kommen wir schnell wieder frei, der 4×4 SUV machst möglich. Die Strategie wird nun offensichtlich im Kopf des Fahrers neu überarbeitet: Stecken bleiben kann man nur wenn man langsam ist, gestern wie heute heißt es also: Schnell ist das neue Langsam. Wir preschen also mit 100 km/h (kein Witz, sagt zumindest der Tacho) durch ein ausgetrocknetes Flussbett im spanischen Hinterland. Der Untergrund ist extrem anspruchsvoll, doch unserer Fahrer (Ben) rudert unserer Mittelklasselimousine aus den 80igern gekonnt durchs Terrain. Auch hier folgen auf Sandabschnitte teilweise harte Steinabschnitte, die die dann folgenden harten Einschläge nur dumpf verhallen lassen. Wir passieren leider auch mehrere andere Teams mit dem Tempo, die sich wie sterbende Fische im Sand des ausgetrockneten Flussbetts festgefahren haben. Eine Teamentscheidung wird in Sekunden gefällt: Pedal to the Medal. Wir können im Vorbeifliegen nur Mut aus dem Fenster zuschreien, der Mercedes ML irgendwo hinter uns wird es richten müssen. Nach gut 30min ist der Spaß leider vorbei, wir rollen aus dem Flussbett nach links ab. Hier bemerken wir dann ein Quatschen hinten links, ein Stein hat sich irgendwo in der Bremsscheibe verkeilt. Da wir eh auf 90-Seconds warte wollen und die vermutlich die liegengebliebenen 6 Fahrzeuge befreien, entscheiden wir uns kurzerhand den Reifen fix zu demontieren um den Übeltäter zu entfernen. Das können wir ja nun. Leider ist es damit nicht getan. Da Hagen (unser Mechaniker) weder zu sehen noch zu hören ist, klappen wir kurzerhand unser „So wird’s gemacht W124“ Buch auch und zerlegen die komplette Bremsanlage der rechten Hinterachse. Das Steinchen befand sich am letzten Arbeitsschritt, in rückwärtiger Reihenfolge ging es dann ganz flott. Ein kurzer Test: Schleift nicht, Bremst noch. Nach Almeida sind es nur 15km, diese rollen wir aus. Bei der Zieleinfahrt dann bei Anfahren ein Ohrenbetäubendes Rappeln. Irgendwo schlägt Metall auf Metall. Die zuerst vermutete Quertraverse können wir ausschließen, es klingt eher nach unserem Panzerölwannenschutz (ein Geräusch was wir durch die vielen Einschläge inzwischen kennen). Da wir das Geräusch nicht direkt identifizieren können und die Bereitschaft selbst zu Schrauben durch unsere eigenständige Brems-Instandsetzungs-Aktion doch deutlich gestiegen ist, leihen wir uns einen weiteren Wagenheber und Unterstellböcke und wagen einen eigenen Blick unters Fahrzeug. In den ersten Minuten schwebt die Angst dass das Eisenschwein einem auf den Kopf fällt förmlich über einem, doch nachdem die erste 13ner Nuss gelöst ist, schraubt es sich zu zweit unterm Auto-liegend doch recht gut. Der Panzerschutz wird gelockert, gefühlt 10000 große und kleine Steine kommen uns entgegen. Da wir kein anderen Problem bis auf ein hängendes Motorlager identifizieren können bauen wir in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen – nach einer Testfahrt ist das Geräusch einfach weg. In uns dreien steckt nun offiziell 1/4 KFZetti.

Wir schaffen es noch pünktlich zum heute ausnahmsweise abendlichen Briefing, das kurz zusammengefasst so klingt: Marokko wird schwer, unwegsam, teilweise unüberwindbar. Ein wenig Angst schwingt den Worten von Thomas und Cornelius bei, die ist aber beim Hupkonzert bei der Einfahrt in die Fähre schnell wieder vergessen. Afrika wir kommen….

Kurzer Nebensatz: Es wurde im Fahrerfeld auch schon wieder Antriebswellen geschweißt. Das scheint hier irgendwie auch so ein Volkssport zu sein. Könnte man im Triathlon machen mit Ölwannen flicken und Federbeine wechseln.

Tag 8 #TageszielErfoud 

Solche Blogeinträge retrospektiv zu schreiben ist emotional immer schwer. Um zu verstehen was wir durchgemacht haben bietet sich eine gewissen Chronologie an. Die Fährfahrt hatte dank gebuchter Kabine eine erstaunlich hohen Komfort, so dass wir voller Elan in die Zollabwicklung gefahren sind. Hier zeigte sich erstmals: 8h Mittelmeer trennen nicht zur zwei Kontinente, sondern auch zwei Welten. Nach einer schier unendlichen Zeit hatten wir es im cm Takt bis zum ersten von zwei Häuschen geschafft, dort wurden Personen zur Einreise „vorbereitet“. Beim Namen „Kanaan“ musste der Zollbeamte zumindest lachen – erste positive Zeichen. Nun zum zweiten Häuschen (1m weiter), hier wieder 10 Beamte, Fahrzeugimport. Heißt: Fahrzeugkontrolle und Formulare. Wann wer wie wo was Stempelt haben wir bis heute nicht verstanden, aber das scheint den Einheimischen Spaß zu machen, deshalb gibts gefühlt einfach überall ne Stempel drauf. Die Fahrzeugkontrolle wird für alle Fahrzeuge durch EINEN ALTEN ARMEN Beamten durchgeführt. Schritttempo -100. Wahrscheinlich deswegen auch nicht gut gelaunt.

Kontrollablauf kurz umrissen: Kofferraum auf, auf Koffer gezeigt, „Pistola?“ gefragt, wir verwirrt mit dem Kopf geschüttelt, fertig.

Nachdem wir also einen weiteren Posten, dessen einziger Sinn darin bestand alle Stempel mit einem Auge zu überfliegen und zu Lachen passiert hatten hatten wir offiziell marokkanischen Boden betreten. Als aller ersten fällt uns auf: Jeder dritte Wagen (ungelogen, ich neige ja gerne zum dramaturgischen Mittel des Exzesses, aber das entspricht der Wahrheit) ist hier entweder ein W124 oder W123. Hier sind also die Millionen produzierten Eisenschweine. Ersatzteilversorgung sollte hier kein Problem sein (dazu leider mehr weiter unten). Nachdem ein einheimischer sich blind durch unsere deutschen Handymenüs (wohlgemerkt IOS und verschiedene Androidversionen) getippt hat um unsere 10GB PrePaid Karten zu aktivieren, starten wir Etappe 1 von 3: 4H Landstraße durch die Wüste. Aufregend, da sich die Landschaft doch deutlich verändert hat.

Nach dem ein oder anderen Fahrerwechsel steigen wir dann endlich gegen 15 Uhr in die erste Kat III ein:

Auf herrlich sandig-schottrigem  Untergrund driften wir in unserem W124 an allen anderen Teams gekonnt vorbei und haben den Spaß unseres Lebens. Auf einer langen Geraden fällt auf: Unser Dreier-Gespann aus ML (Team 90 Second) und Golf 2 (Team Rallye Down Under) besteht eigentlich nur noch aus uns. Nachdem wir uns 10min mit einheimischen Eseln beschäftigen drehen wir um und finden unsere Wegbegleiter am Straßenrand. Diagnose: Benzinleitung abgerissen. In der Zeit in der wir mit den Eseln Zeit verbaselt haben, haben die Jungs das Problem aber bereits repariert. Bei Wenden fällt auf, dass wir hinten nun inzwischen mit fast „Stance Style“ Sturz fahren. Achse gebrochen? Federbein? Dämpfer? (hier könnte man alternativ auch andere Begriffe aufzählen die wahrscheinlich relevanter sind, wir aber nicht kennen). Ein kurzer Check nach Aufbocken und Rad-Ab (Morgen-Sport für Team Sabotage, machen wir ja inzwischen täglich) bewahrt uns vor schlimmerem. Wir können weiterfahren, der Plan ist abends den Wagen komplett aufzubocken.

Das wäre zumindest der Plan gewesen:

Eine der vielen Senken entpuppt sich als „Kante der Vernichtung“. Wir sehen den ca 50cm Höhenversatz in der Straße viel zu spät, schlagen frontal ein, Heben dann dank oder durch unsere Geschwindigkeit mit allen vier Reifen ab, schlagen mit unserem Panzerschutz voll gegen die Kante um dann durch die Wucht wieder mit allen vier Reifen auf dem Boden aufzukommen. 30m Ausrollen, nichts geht mehr. Bei Aussteigen hören wir es bereits plätschern, schwarzes Öl überall. Wir waren unserer Dreiergespann schnell vor der „Kante der Vernichtung“ um schlimmeres zu vermeiden und machen uns an die bittere Diagnose: Der Ölwannenschutz hat wie auch immer gehalten, jedoch durch seine Härte die darüber befindliche Ölwanne wie ein Sandwich zerdrückt. Dass weder Motorlager noch Federbein gerissen bzw. durch den Dom geflogen sind ist uns schleierhaft. Alle Reifen haben noch Druck, die Achse scheint soweit erkennbar genau so kaputt wie vorher. Wir stehen im Nirgendwo, die Dämmerung ist jetzt unser größter Feind. Wir hängen uns per Seil an den ML und fahren gezogen mit 80-90km/h durch die Wüste. Ohne Bremskraftverstärker, 1m flexibler Abstand. Der immense Steinschlag fordert seinen Tribut, beide Scheinwerfer hin. Egal. Wir schaffen es IRGENDWIE in den nächsten Ort, der aus 5 Hütten besteht. Hier kann man uns nicht helfen, unser französisch (danke Mama fürs triezen) bringt uns aber weiter: Wir schleppen uns ins ins 40km gelegene Dorf, natürlich nicht ohne das zwei Abschleppseile reißen und der Golf einen weiteren Reifen einbüßt.

Am Ortseingang wollen wir eigentlich nur nach dem Weg fragen, ein freundlicher Marokkaner steigt aber kurzerhand zu uns ins Auto und navigiert uns zur Werkstatt. Es ist Sonntag, wir wollen eigentlich nur den Wagen vor der Werkstatt abstellen, da hat der Mechaniker (der eigentlich an Traktoren schraubt) bereits die Motorhaube offen und den Schraubenschlüssel tief im Herzen des W124. Ca. 2 Sekunden Später ist der Wagen auf äußert unruhigem Untergrund aufbockt da, der Mechniker verschraubt bereits ohne ein Wort zu sagen unseren Ölwannenschutz. Wohlgemerkt ohne das wir bezahlt hätten oder er das Teil kennt.

Kleine Anekdote hier als Randnotiz: Ihm zur Hilfe steht ein Lehrling, der KOMPLETT in Öl getränkt ist. Zuerst dachten wir er würde aus welchem Grund auch immer Lederkleidung tragen, auf den zweiten Blick entpuppt sich dies aber als ganzheitlicher Ölfilm.

Unsere Sorgen um Leib und Leben des Mechanikers ungeachtet liegt der derselbige inzwischen unterm Fahrzeug und hat das Problem „identifiziert“. Das war fairerweise auch nicht schwer, da unsere Ölwanne (ein Teil aus Aluminium) nur noch zu ca. 80% vorhanden ist. Rundherum gerissen, einige Teile fehlen. Während dieser gefühlt sehr kurzen Zeitspanne hat sich eine Menschentraube in der Einöde gebildet, bewaffnet mit 10 Telefonen. Da das nur wenig bringt, fahre ich mit einem der Jungs Sonntags verschiedene Läden in der angrenzenden Stadt ab. Der letzte Besuch endet in einem Ehestreit, der Ladenbesitzer war duschen und musste Essen. Heute also kein Vorankommen mehr.

In der Zwischenzeit hat der zweite Teil unseren Teams parallel ein Hotel aufgefunden. Dort der nächste Zufall: Ein aus Rotterdam stammender Marokkaner, der hier nur zu Besuch ist und eigentlich 50km weiter weg wohnt, bietet sich kurzerhand als Übersetzer und irgendwie auch Manager an. Mehr Gastfreundschaft für ihm vollkommen unbekannte, verdreckte und hilflose Touristen geht nicht. Sein Cousin telefoniert parallel mit Händler in einem 200km entfernten Ort und treibt dort tatsächlich eine auf. Nur sind 200km in Marokko drei Stunden, unser Auto ist nicht Fahrbereit. Auf die Gefahr für komplett verrückt erklärt zu werden, fragen wir was der Kuriertransport kostet. Man nennt uns einen akzeptablen Preis (hier angemerkt: Jeder Preis wäre von uns genommen worden, auch ein Faberge-Ei hätten wir eingetauscht um weiter zu kommen), und kurze Zeit später fährt der Kollege also für uns 3h in die eine Richtung und 3h in die andere Richtung.

Wir buchen aus Höflichkeit das „Hotel“ eines bekannten, was in Realität die Sofalandschaft des Besitzers ist und Essen komischerweise untypisch-arabisches Essen. Wahrscheinlich wollte man uns gut tun.

Nachts treffen wir dann noch den 5er Touring von Rallye-Team-Stuttgart und einen Subaru. Beider auf dem Abschlepper. An gleicher Stelle hat es RTS den Kühler gegen die Motorhaube geschlagen, was in einer Vollbremsung endete. Der folgende Subaru konnte nicht mehr rechtzeitig halten, Aufschlag bei 40km/h. Auch hier geht es allen bis auf den Fahrzeugen gut. Subaru: Ausgelöste Airbags, Windschutzscheibe defekt, Ölkühler Richtung Motor verschoben und somit den Riementrieb abgerissen. Das Rallye aus. Bei RTS sieht es nicht besser aus. Der 5er ist hinten durch den Aufprall so verzogen, dass nicht mal mehr die Sitze klappbar sind, geschweige denn die Türen sich schließen lassen. Auch hier heißt die Diagnose Totalschaden. Es geht allen gut, das ist die Hauptsache. Wir erfahren zudem, dass noch 11 Fahrzeuge in der Wüste feststecken und dort Campieren.

Afrika scheint in einem Tag das geschafft zu haben, was Europa in 7 Tagen nicht geschafft hat: 10% Gesamtausfallquote bei der Rallye….

Tag 9 #Tagesziel RallyeCamp

Das Tagesziel heute ist eigentlich das Camp, für uns wäre ein laufender Motor schon von Vorteil. Felix und Simon vom Team Rallye Down Under (72) sind zwar um 5 Uhr morgens losgefahren, sind durch die eingeplante Abkürzung (vs. Google Maps) auf die 4×4 Strecke abgebogen. Nach 45min realisieren sie, dass es hier wohl nicht vorangeht und drehen um. Bei Tankstop dann noch ein Reifendefekt, so dass die Jungs mit Müh und Not um 8 Uhr wieder vor uns stehen.

Reifen gibt es bei uns zum Glück genug im Dorf, so ist man (übrigens wurde das Auf- und Abziehen von fünf Reifen für Umsonst angeboten) um ca. 10 Uhr mit Team 90 Seconds (die auch mit uns gewartete haben – DANKE Jungs!!) auf dem Weg zum restlichen Fahrerfeld (4h Fahrzeit). Wir bekommen von unserem Kurier dank Facebook und Facebook Live einen genauen Status der Teileversorgung. Um 16:00 soll dann alles bei uns sein.

Wir haben die Mechaniker vor Ort dann über unseren Katastrophalen Sturz befragt, was auf Schulterzucken trifft und mit einem „ist bei allen W124 so“ quittiert wird. Eine kurze Foren-Recherche (wir haben ja nichts anderes zu tun) bestätigt dies grob.

Ab Punkt 16:00 werden wir alle nervös. Unser „Kurier“ ist bei FB nicht mehr zu erreichen, der letze Live-Stream (die Marokkaner streamen den ganzen Tag live bei FB) ist eine Stunde her.

Um 16:20 dann die Erlösung: Die Teile sind bei der Werkstatt. Wir machen uns abermals auf einem Tuk-Tuk auf zur Werkstatt. Er schwankt etwas Ungewissheit auf der kurzen Fahrt mit, denn wir wissen nicht ob es das richtige Teil ist. Am Zielort angekommen fallen wir Mohammed (der niederländische Marokkaner der auch wieder dabei ist) und Abdel (unser Kurir) förmlich um den Hals. Letzterer musste die Nacht durchfahren, viele Straßen waren aufgrund der Unwetter gesperrt (Übrigens auch das Rallye-Camp), die Ölwanne musste noch von einem Motor auf dem Schrottplatz entfernt werden. Unser Held sieht müde aus, wir bezahlen denn Mann und schicken ihn sichtlich erleichtert ins Bett.

Während wir noch Reden, ist die Mechaniker-Crew längst im Gange. Hier zeigt sich eine klare Ordnung:

Ganz unten steht der Lehrling aka Mr. Oil. Er muss alle Werkzeuge holen und wird immer angeschrien. Dann kommt Mr Red, der Go To Guy. Er kann alles schrauben und macht dies mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit. Seine Abnahme bekommt er von Mr. Babo, ein ebenfalls sehr öliger, dicklicher älterer Herr, der offensichtlich mehr Ahnung hat und gerne auf Sachen mit dem Hammer haut. Schlussendlich gibt es noch den stillen Mr. Blue mit Brille, Typ Ingenieur. Dieser entpuppt sich als „Chef“. Zu guter letzt gibt es noch eine alten Herrn, der ein Malle-Sauf-Shirt an hat, dieser wacht irgendwie über alles. Vollkommen unbeteiligt stehen noch da: Der Junge auf dem Motorrad, der für uns alles organisiert hat und ein Typ mit weißem Trainingsanzug, dessen Aufgabe sich nicht definieren lässt.

Nachdem nun die Aufgabenverteilung ziemlich klar ist, bauen wir erst den Scheinwerfer selber ein (was den marokkanischen Arbeitern zu lange dauert) und bewundern dann, wie Mr Red die neue Ölwanne (allerdings ohne Dichtung nur mit Dichtmasse) neu unter das Eisenschwein frimmelt. Dabei wird erstaunlich viel gelacht, die Jungs haben Ihren Spaß. Bei der Montage fällt auf, dass der Unfall unsere rechte Stabi-Halterung zersprengt hat (Seite des Aufschlags), diese wird kurzerhand von Mr. Red geschweißt. Dass er dabei keine Brille oder Handschuhe trägt und den Finger einer Kollegen ansenkt, führt zu noch mehr Lachen und Spaß bei allem.

Nach etwas schieben und biegen sitzt alles wieder und der danke Moment der ersten Zündung kommt: NUMMER 5 LEBT. Glücklicher könnten wir kaum sein, auch die Mechaniker-Crew strahlt. Es gibt ein Abschiedfoto und die Rechnung wird großzügig bezahlt (man will nur unglaubliche 50€ für die ganze Arbeit).

Unser marokkanischer Freund aus den Niederlanden fragt zwischendurch per WhatsApp immer wieder wie es uns geht und schaut zum Schluss selber nochmal vorbei. Wohlgemerkt ohne Geld zu bekommen oder sonst beteiligt zu sein. Unglaublich.

Der eigentliche Plan war es die Nacht durch zum nächsten Rallye-Ziel zu fahren. Aber da die örtliche Tankstelle kein Benzin mehr hat, es pechschwarze Nacht ist und ein Unwetter über uns zieht, entschließen wir uns für eine weitere Nacht in Talsind. Dieses Mal im einzigen Hotel mit warmer Dusche und leckerem marokkanischen Essen (das allerdings UNFASSBAR lange gedauert hat. Der junge Kellner hat 30 min gebraucht um Getränke aus dem Kühlschrank zu holen)

Tag 10 #TageszielTinghir Fahrzeit 6h

Wir haben gut geschlafen, die Sonne scheint, das Frühstück hat nur halb so lange gedauert wie gestern das Abendessen – es kann losgehen. Mit wachen Ohren und mulmigem Gefühl rollen wir die ersten Meter aus dem Ort. Dann merken wir: Alles läuft. Die Stimmung steigt, das Eisenschwein scheint alles überlebt zu haben. Wir cruisen gemütlich die Landstraße entlang und kommen gegen 16 Uhr in Tinghir an. Unser Hotel: Der absolute Traum. Luxus, Pool, Ruhe, Natur, freundliches Personal. Da Ben kurz mit einem Mitarbeiter auf dem Motorrad Zigaretten holt, und Max den Pool aus der Loungelandschaft begutachtet, sitze ich schon wieder am Auto. Der Sturz macht mir Sorgen. Das Hotelpersonal bemerkt meine kritischen Blicke, Minuten später bocken ich, der Hotelmanager, der nette Mitarbeiter und Ben den Wagen auf. Rad runter, ruhiger Blick (nachdem ich gestern das Kapitel „Hinterachse“ gelesen habe). Die Diagnose ist einfach: Die Sturzstange (zuständig für den Sturz) ist keine Stange mehr sondern mehr ein U. Zudem verlieren wir wieder minimal Öl, ob das nun an der Schräglage oder einem erneuten Aufsetzer liegt, wir wissen es nicht. Der Pool liegt in weiter Ferne, wir machen uns zu Zweit auf zur nächsten Werkstatt (auch hier fährt uns der Hotelmanager wie selbstverständlich vorraus). An der Werkstatt angekommen werden wir von 4 anderen Teams begrüßt. Der Mechaniker kennt das Problem bereits und führt uns ins Teileparadies: Hier stehen ungelogen ca. 300 Motoren in Rei und Glied. Daneben Achsen, Getriebe, Lichtmaschinen, Kadernwellen, Türen, Kotflügel so weit das Auge reicht. Die passenden Teile zu finden dauert lange, in der Zwischenzeit schlagen immer mehr Rallyeteams vor der Werkstatt auf uns benötigen teilweise dringend Hilfe. Der „Go To Guy“ (übrigens auch in Rot gekleidet) ackert an allen Autos gleichzeitig, in diesem Betrieb dürfen die beiden Mr Oils aufgrund des immensen Kundenandrangs selber mitschrauben. Mit mäßigem Erfolg, beiden haben eher zwei linke Hände. Nachdem unserer Ölwannenschutz endlich demontiert ist, zeigt sich das Problem: Im vorderen Bereich kleine Dellen mit Haarrissen. Wahrscheinlich weil wir bei der Fahrt einmal aufgesetzt sind und der doch lädierte Ölwannenschutz durch die defekten Motorlager nun der Ölwanne anliegt. Wir hätten das Problem einfach ignoriert und alle paar tausend Kilometer einen Liter Öl nachgekippt, aber Mr Red wollte das Problem unbedingt beheben. Wir wollten übrigens unbedingt in den Pool. Also: Wagen auf Grube, Ölwannenschutz runter, Öl ablassen, anschleifen, marokkanische Metallknete drunter, warten, schleifen, warten, warten, warten. Es zieht sich ewig und irgendwann sind wir so genervt, dass wir selber mit Anpacken. So ist der Ölwannenschutz dann auch endlich wieder montiert (haben die Lehrlinge nicht hinbekommen) und wir rollen bereits bei schwarzer Nacht vom Hof. Kein Pool mehr für Ben und Oli. Dafür aber grandioses Essen in unserem kleinen Luxushotel.

Tag 11 #Tagesziel Marrakech Fahrtzeit 7,5h

Wir schaffen es ausnahmsweise pünktlich zum Briefing. Wie üblich müssen wir erzählen was uns so widerfahren ist, natürlich nicht ohne Lobpreisungen auf unsere Helfer. Der letzte Tag, der letzte Kampf. Einmal noch Mensch gegen Maschine, bzw. in unserem Fall da wir eins mit unserem Auto sind: Team gegen Marokko. Wir wissen: am letzten Tag scheitern immer noch Fahrzeuge. Wir sind dem Tod dieses Jahr wahrlich von der Schippe gesprungen, aber die Kat III lassen wir uns nicht nehmen. Wir fahren zwar gemäßigt, aber atmen im W124 endlich wieder Wüstenstaub ein. Zusammen mit ca. 5 anderen Teams (darunter auch die Jungs vom Rallye Team Down Under) lassen wir es nach Routenempfehlung quasi bis Marrakech laufen. Zwischen Ende Kat III und unserem lang ersehnten Ziel liegt allerdings das Atlasgebirge, was nochmal wirklich herrliche Kat II Pässe und Abfahrten für uns in petto hält. Einen schöneren Abschluss hätten wir uns kaum wünschen können.

Je näher wir gegen 15 Uhr unserem eigentlichen Zielort kommen, desto heißer wird es. Bei Einfahrt glüht die gesamte Karosse bei 37 Grad Außentemperatur. Wir werden ohne Klima gekocht, können unser Glück aber kaum fassen. Wir haben es wider jeder Umstände aus eigener Kraft nach Marrakech geschafft.

Da unser Hotel einen Pool hat genießen wir vorm Abschlussbriefing noch einmal das kühle Nass und lassen die letzten Tage gedanklich Revue passieren. Das Startbriefing in München bei Regen scheint eine Ewigkeit her. Selbst die vielen Pässe und Einschläge auf europäischem Festland wirken wie längst vergangene Erinnerungen aus den letzten Jahren.

Schnitt. 8:00 Parkplatz mitten in Marrakesh. Cornelius ruft „Willkommen in Marrakesh“ und läutet leider das Ende des Abendteuer ein. Sektdusche natürlich inklusive. 7 Teams haben es nicht bis hier hin geschafft, aber viele die man schon abgeschrieben hatte (uns eingeschlossen) stehen nun doch hier und feiern. Die Stimmung ist ausgelassen und wir lassen den Abend feucht fröhlich mit Rallye Team Down Under (Felix und Simon) ausklingen.

Impressionen Marrakesh:

Epilog:

Gefahren Kilometer Düsseldorf – München – Marrakech – Düsseldorf: 8372km

Getankte L Benzin: 1121,56

Durchschnittlicher Verbrauch: 13,1 L /100km

Kosten Benzin: 1633,20€

Polizeikontrollen in Marokko: Ben 1 (Über Rot gefahren, gelächelt, weitergefahren), Oli 1 (Zu schnell Gefahren + Stoppschild dann nicht beachtet, gelächelt, geplaudert, weitergefahren) Max 1 (keine Ahnung was uns vorgeworfen wurde, angeblich Spurwechsel, gelächelt und 40€ gezahlt)

 

 

Nach der Rallye ist vor der Rallye….

Noch haben wir keine Pläne für 2019, aber das Eisenschwein läuft noch. Wie jedes Jahr heißt es nach der Rallye: Gedanken sortieren, froh sein dass alles noch an einem dran ist, und den W124 einwintern. Letzteres heißt für uns auch, alles das auszutauschen, was wir „kaputt gefahren haben“:

  1. Stabihalterung
  2. Ölwanne
  3. Dämpferaufnahme vorne (verstärkt, hält dann direkt)
  4. Federn all around (waren nicht kaputt, aber zu dritt muss der Wagen einfach höher)
  5. Scheinwerfer inkl. Leuchtmittel
  6. Motorlager (hatten wir zumindest im Verdacht dass eins hängt, kann zumindest nicht schaden)
  7. Kühlerflüssigkeitstausch (die war durch Staub und Sand braun)
  8. Zusatzscheinwerfer neu konzipieren (wir wollen auch so eine „CollapsingSun“)
  9. Ölwannenpanzerschutz verstärken

Berufsbedingt (und auch weil wir wie erwähnt nur 1/4 Schraubertalent haben) haben wir einiges an unseren Werkstattmeister Hagen (vom Team 90 Seconds) „outgesourced“ – wir wissen, dass der W124 dort in guten Händen ist.